Meditation – Was ist das genau?

Auszug aus dem Buch „Werde, der Du bist!“ von Erik Grösche

Meditation ist für viele Menschen wichtig geworden. Mit Meditation kann man sehr, sehr viel erreichen. Sie ist die Grundlage für viele Mentaltechniken. Aber es gilt hier einmal genau zu klären, was Meditation genau ist und wofür sie eingesetzt wird.

Viele Angebote auf dem Esoterik-Markt sind gar keine Meditation, und auch der Grund, aus dem sie praktiziert werden, ist manchmal nicht gesund (Realitätsflucht).

Wenn man seine Augen schließt, dann kommen sofort innere Bilder. Diese inneren Bilder sind immer da, weil das Unbewusste arbeitet. Das Unbewusste verarbeitet Erlebtes, und es laufen ständig irgendwelche Gedanken im Kopf ab.
Natürlich kann man mit diesen Bildern arbeiten. Das heißt, man schaut sie sich an – dann hat man schon einmal eine Botschaft des Unbewussten – und kann die Bilder auch ganz bewusst verändern und sich Dinge vorstellen: zum Beispiel einen Ort zum Entspannen, zum Verweilen oder zum Arbeiten. Das ist allerdings keine Meditation im klassischen Sinn, auch wenn es oftmals so bezeichnet wird. Das ist Selbsthypnose oder Tagträumen oder Trancereisen oder wie immer man es bezeichnen möchte. Und bitte nicht falsch verstehen: Es ist gut, diese Dinge zu tun. Das ist ja auch die Grundlage für die meisten Hypnosetechniken und kann ein guter Meditationseinstieg sein. Aber das ist „nur“ eine Arbeit mit dem Unbewussten.

Meditation ist eigentlich etwas ganz Anderes …

Meditation bedeutet, aus diesen Bildern, die dann automatisch kommen, auszusteigen. Und Meditation bedeutet auch, den Verstand loszulassen, der diese Bilder am liebsten nach seinem Gutdünken verändern möchte, um im Inneren eine heile Welt zu schaffen. Meditation bedeutet auch, aus dem Unterbewusstsein teilweise auszusteigen, aus den Automatiken, die ständig wirken und das Leben beeinflussen. Meditation bedeutet, in einen Bereich zu gehen, wo nichts mehr ist, kein Bild, keine Idee, kein Verstand, kein Gefühl, keine Zeit. Und kein Unbewusstes. Meditation bedeutet: die eigene Mitte zu finden.

Leere · Nichts · NO-where · NO-time · NO-one · NO-thing · Weg der Mitte

Es gibt unterschiedliche Wege, dort hin, in die Leere, zu kommen. Man kann eine Wand anschauen und versuchen, auf die Millisekunden zwischen den auftauchenden Gedanken zu achten, um diese Abstände zu vergrößern (ZEN), man kann trommeln, tanzen, feuerlaufen, Mantren beten oder singen (immer wiederkehrende Tätigkeiten lähmen das Bewusstsein), über ein Koan meditieren (eine unlösbare Aufgabe, die das Bewusstsein verwirrt und ablenkt), fühlen, wie man sich durch das unendliche Nichts bewegt (Dr. Joe Dispenza) oder andere Techniken nutzen. Letztlich ist das große Ziel jedoch die Leere, jenseits aller (Selbst)Bilder, Ideen, Konzepte …. jenseits des Ego.

Wenn man einmal in diesem Bereich ist – und das erfordert Training – dann kann man weitergehen, in andere Bereiche gelangen, die noch tiefer liegen, und kann dort andere Quellen anzapfen, in Form von Gefühlen oder Bildern. Aber diese Bilder unterscheiden sich sehr stark von diesen oberflächlichen Erscheinungen, die sofort kommen, wenn man seine Augen schließt und Selbsthypnose betreibt oder eine der Meditations-CDs hört, die einen durch eine Fantasielandschaft geleiten. In diesen tieferen Bereichen kommt man in Kontakt zu einem noch tieferen Selbst, in seiner Mitte.

„Ganz unten“ ist gleichzeitig „ganz oben“

Diese Bereiche werden, je nach der Lehre, unter der die Meditation stattfindet, unterschiedlich bezeichnet. Die einen nennen sie Höchstes Selbst“ oder „Höheres Selbst“. Andere sagen Seele dazu. Dr. Joe Dispenza nennt sie das Quantenfeld. Was immer es auch ist, für mein Verständnis sind dies nur Beschreibungsversuche ein und derselben Sache. Wichtig ist: Es ist ein Bereich mit einem Wissen außerhalb von diesen ganzen Automatismen im Kopf und im Unterbewusstsein, die sofort ablaufen, die immer in die Bresche springen, unterstützen, aber natürlich immer nur mit den gleichen Strategien. Dort kann man etwas Neues über sich selbst lernen und bringt es dann mit in die Welt zurück.

Meditation sollte keine Realitätsflucht sein

Viele, die sich aus leidvollen Erfahrungen heraus, aus nicht enden wollender Krankheit oder Schicksalsschlägen, in Meditation oder Esoterik flüchten, benutzen die Meditation als Flucht vor der Realität, quasi als körpereigene Droge. Das kann man mal machen und es ist auch nicht unbedingt verkehrt, aber das sollte nicht der Zweck von Meditation sein. Vor allen Dingen kann es gefährlich werden, wenn man in ganz tiefe Bereiche vordringt, ohne sich vorher gut geerdet und zentriert zu haben. Also ohne einen Rückweg vorbereitet zu haben, damit man auch wieder gesund und wohlbehalten mit all seiner Aufmerksamkeit und all seinem Bewusstsein zurückkommt.

Wer da schludert, wer zu schnell meint, irgendwo hingehen zu müssen, bevor er seine inneren Themen aufgelöst hat, dem werden spätestens, wenn er das Bekannte verlässt und in dieses Nichts eindringt, die sogenannten „Dämonen“ erscheinen. Ich habe das mehrfach erlebt bei großen Meditationsevents, bei denen Menschen, die noch nie an sich gearbeitet hatten, dann abbrechen mussten, weil sie es nicht mehr aushalten konnten, weil ihr Unbewusstes ihnen ihre Dramen, ihre Traumata präsentiert hat – in Form von Erkenntnissen, von Gefühlen, von inneren Bildern, die unkontrolliert hochkamen. Und dann wird es, je tiefer man ist, immer schwieriger auszusteigen.

Aus diesem Grunde befürworte ich, dass man sich zuerst einmal selbst „aufräumt“, bevor man bei der Meditation in die Tiefe geht. Erst einmal an der Oberfläche bleiben und mit Trancetechniken seine Innenwelt bearbeiten. Dann, wenn die großen Dramen aus dem Weg geräumt sind, hat man die Freiheit, auch in die Tiefe zu gehen.

Natürlich kann man auch den Weg beschreiten, ganz schnell ganz tief zu wollen. Aber das ist in meinen Augen genauso leichtsinnig wie die Therapieformen, die Klienten ohne Vorbereitung einfach so ins Trauma werfen nach dem Motto: Wir machen mal eine Regression, gehen ins Trauma und verändern das dort. Das kann gut gehen, geht auch in vielen Fällen gut, aber das Risiko einer Retraumatisierung ist enorm hoch. Deshalb arbeite ich nicht auf diese Weise. Ich geleite zwar Menschen bei Meditationsseminaren möglichst schnell möglichst tief, aber nur in Abstimmung mit ihrem eigenen Unbewussten. Denn nur das Unbewusste eines jeden Menschen weiß, wie der Weg nach unten sein sollte und wie tief die Person überhaupt (heute) gehen darf. Wenn man sich daran hält und alles abklärt, kann auch nichts passieren.

Macht man das nicht und zwingt sich, durch diese Dämonen, durch diese Zerrbilder hindurch zu gehen, kommt man möglicherweise auch tief. So lange man diese allerdings nicht bearbeitet, werden sie bei jeder Meditation immer wieder auftauchen. Natürlich kann man dann sagen: Ich gewöhne mich daran. Irgendwann werden sie schwächer und schwächer um schließlich zu verschwinden. Aber die Gefahr besteht, dass man dort hängen bleibt und dass man dann in der Meditation eine Retraumatisierung erlebt, weil es ganz automatisch, ohne dass man das möchte, die Aufmerksamkeit in das Trauma zurückzieht. Und natürlich bremst so etwas aus, man braucht immer viel mehr Energie und Aufmerksamkeit als nötig, um in die Tiefe zu kommen. Dies sind auch die klassischen Verhinderer, die im Alltag erfolgreich von der Meditation abhalten.

Finde „Deinen“ Meditationslehrer, der zu Dir passt …

Deshalb ist es wichtig, wenn man Meditation lernt, dass man sich einen guten Lehrer sucht, einen Lehrer, der bereit ist, genug Zeit zu geben um langsam in die Meditation hineinzufinden, der einen führt und lehrt, zusammen mit dem Unbewussten den „Weg runter“ zu suchen.

Denn jeder muss die Meditation auf seine Art und Weise lernen. Für den einen ist sie religiös geprägt – vielleicht aus dem Buddhismus oder dem Zen, für andere sind es Meditationen wie Vipassana (wo man allerdings vollkommen auf sich alleine gestellt ist wenn die Dramen auftauchen). Für wieder andere können es ganz moderne Methoden sein, wie Dr. Joe Dispenza sie lehrt. Wichtig ist, dass man sich mit dem Lehrer wohl fühlt, Vertrauen aufbauen kann und die Meditation mit der nötigen Sorgfalt und dem nötigen Training praktiziert.

Oder besser: Finde „Deinen“ Meditationslehrer in DIR!

Ich habe, nachdem ich tiefe Meditationstechniken in verschiedenen Meditationsphilosophien und – Richtungen kennengelernt habe und für mich weiter nutzte, eine eigene Zugangsform entwickelt, welche auf Techniken der selbstorganisatorischen Hypnose basiert. Hier kann der Weg nach unten von jedem Einzelnen individuell mit seinem Unbewussten abgestimmt werden, so dass ein möglichst reibungsloser Zugang zu den tiefen Schichten möglich wird. Diese Techniken schule ich meinen Klienten in Einzelsitzungen, an Meditation interessierte Menschen erleben dies in Wochenendworkshops.